Leserbrief zu: „Teure Erdkabel für Ausbau des Stromnetzes“, NOZ vom 08.10.2015

 Desinformation und Augenwischerei

Sehr geehrte Damen und Herren, die Nachricht „Erdkabel für die Stromautobahnen“ ist eigentlich eine gute, aber sie geht einher mit Unwissenheit, Irrtümern und gezielter Desinformation.

Angefangen bei Horst Seehofer. Die Verteuerung des Stroms durch Erdkabel von 0,1 Cent/kWh „sollten uns die Menschen und die Natur wert sein“, lässt er sich zitieren. Dabei ist der Erdkabel-Beschluss keineswegs sein Verdienst, sondern noch in der Gesetzesnovelle von 2013 hat gerade Seehofer den Vorrang der Erdverkabelung verhindert mit dem Argument: „Zu teuer“. Über das „Wie teuer“ sind sich ja auch die Experten keineswegs einig. Neuere technische Entwicklungen und neue Verlegungskonzepte zeigen, dass Erdverkabelung keineswegs 3 bis 8 Milliarden Euro teurer sein muss als Freileitungen, wie das Wirtschaftsministerium gern behauptet. Aber möglichst laut vor hohen Kosten „warnen“, das machen manche Leute ja gern; denn nicht jeder hat ein Interesse daran, dass die Energiewende gelingt.

Ein anderer Punkt ist der Leitungsverlauf. Je nach dem, wen man wann fragt, bekommt man jeweils eine andere Landkarte präsentiert: Die deutsche Netzagentur anders als die Bundesregierung anders als RWE usw.. Ein bekanntes Beispiel zeigt nicht zwei, sondern gleich drei Stromautobahnen von Nord nach Süd, alle angeblich dringend notwendig für den Transport der Windenergie von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg. Schaut man sich den Verlauf dieser Leitungstrassen an, so fällt auf, dass sie vom Süden nicht direkt zur Nordsee führen, sondern erstmal direkt in die heutigen Braunkohlengebiete von Garzweiler und in der Leipziger Gegend. Sie sind also für den Transport von dreckigem Braunkohlestrom geplant, von heute an noch für eine lange Zukunft. Und die Kosten dieser Leitungen werden dann ganz forsch der Energiewende angelastet. Das ist nicht mehr Augenwischerei, das ist gezielte Desinformation von interessierter Seite.

Wie viele Leitungen nun tatsächlich gebraucht werden, ob zwei oder drei, und mit welcher Übertragungsleistung – das ist ja auch kräftig umstritten. Klar ist nur: Je mehr Regenerativstrom wir nahe am Verbrauch erzeugen und je mehr Speicher wir für zeitweise überschüssigen Strom haben werden, umso weniger Stromautobahnen werden gebraucht. Dazu müssen wir zwar hier und da das Verteilnetz etwas verstärken, aber das ist nichts gegen Kosten, Aufwand und politischen Widerstand bei den großen Nord-Süd-Leitungen. Dass man im Süden Deutschlands nicht nur die Sonne, sondern auch den Wind sehr gut und wirtschaftlich nutzen kann, zeigt der Ausbau der Windenenergie in Baden-Württemberg. Da wird es Zeit, dass auch die bayrische Landesregierung ihren Widerstand gegen Stromleitungen aufgibt, ihren Abstandserlass, der Windkraftanlagen in ihrem Land fast unmöglich macht, in den Shredder wirft und nicht länger auf neue fossile und teure Gaskraftwerke setzt, sondern ihrem Bekenntnis zur Energiewende endlich auch mal Taten folgen lässt.

Und mit den Speichern, das geht klar. Immer mehr Solarpioniere lassen sich jetzt eine Batterie im Keller installieren, um mehr Solarstrom im Eigenverbrauch zu nutzen. Die Batteriepreise sind am Purzeln, und allein in diesem Halbjahr bietet der Solarenergieverein Osnabrück vier Termine an zur Besichtigung von Stromspeichern im eigenen Haus.
.

Klaus Kuhnke,
Solarenergieverein Osnabrück e. V.
http://www.solareneregieverein.de