Leserbrief zu: „Unrentable Stromspeicher“, NOZ v. 13.08.2015

Strom speichern? Geht doch!

Sehr geehrte Damen und Herren,
da kann man nur zustimmen – dem Artikel und dem Kommentar. Nur: Stromspeicher müssen nicht immer unrentabel sein, aber davon später.
Für die Energiewende brauchen wir nicht nur Solar-, Wind- und Bio-Anlagen, sondern auch Netze und Speicher. Und Pumpspeicherwerke, die bei reichlichem Stromangebot das Wasser hochpumpen und bei Bedarf daraus wieder Strom machen, sind nicht nur bewährt und verlässlich, sondern auch unschlagbar billig. Die wir haben, die sollten wir nutzen, und die wir gerade planen und bauen, die sollten wir fertig stellen und für die Energiewende verfügbar machen. Es ist ein Verdienst des Ausbaus der Photovoltaik, dass die Stromverbrauchs-Spitze am Mittag abgeflacht ist – hier lag ein typisches Einsatzgebiet für Pumpspeicher.  Wir erinnern uns: Strom ist deshalb für die Energieversorger billiger geworden – einige haben die Preissenkung sogar an ihre Kunden weitergegeben. Trotzdem brauchen wir die Pumpspeicher, wenn noch nicht heute, dann morgen. Mangelnde Wirtschaftlichkeit heute kann durch eine Prämie ausgeglichen werden, die uns als Verbraucher nichts kostet: Wir brauchen uns nur an die vielen Firmen zu erinnern, die von der EEG-Umlage befreit sind, obwohl bei ihnen die Stromkosten gar nicht dominieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit durch das EEG in keiner Weise in Frage gestellt würde. Hier wird zur Zeit viel Geld verschenkt. Also: Am Geld liegt’s nicht.
Es gibt aber auch Pumpspeicher, die sich sehr wohl lohnen und die wir in Zukunft mitbenutzen können: In Norwegen. Da läuft im Winter, wenn die Flüsse zugefroren sind, die Stromversorgung aus den großen Speicherseen. Die können wir antizyklisch mitnutzen: Im Winter haben wir oft reichlich Wind, da können wir in Zukunft in Norwegen einspeisen. Und im Sommer, wenn die Norweger ihre Seen nicht brauchen, können wir den Strom daraus in Deutschland gut nutzen, weil dann der Wind meist weniger weht und die Sonne ja auch im Sommer nachts nicht scheint. Dann brauchen wir nicht unsere Natur für neue Pumpspeicherseen zu opfern, aber wir müssten ein paar beindicke Hochspannungskabel nach Norwegen verlegen. Eins gibt es schon. Geht doch.

Auch Biogasanlagen sind Stromspeicher. Da wird die Energie in Form des Substrats gespeichert, das auf dem Hof liegt. Die Produktion der Biogasanlage zu drosseln, wenn wenig Strom gebraucht wird, und voll hochzufahren bei viel Bedarf – das nennt man flexiblen Betrieb der Biogalsanlage. Ein wichtiger Beitrag zum Ausgleich unserer Stromversorgung bei schwankendem Angebot und schwankendem Verbrauch.

Und immer mehr Privatleute und Unternehmer lernen, dass es Stromspeicher gibt, die sich lohnen: Haushalte und Betriebe, die eine Photovoltaikanlage haben und tagsüber nennenswert Strom verbrauchen, die sparen viel mehr, wenn sie ihren eigenen Solarstrom selbst verbrauchen, als wenn sie ihn ins Netz einspeisen würden. Diesen Eigenverbrauchsanteil kann man gut erhöhen mit Hilfe eines Batteriespeichers im Keller. Mit dem, was man einspart durch erhöhten Eigenverbrauch von Solarstrom, kann man den Speicher bezahlen und behält sogar noch einiges übrig. Rentable Stromspeicher.

Der Solarenergieverein lädt in diesem Herbst 2015 ein zu drei Besichtigungen von Solar-Stromspeicher-Anlagen.
Das aktuelle Programm Herbst 2015  gibt es unter http://solarenergieverein.de.
Gäste und Interessierte sind herzlich willkommen.
Geht doch.

Klaus Kuhnke
Solarenergieverein Osnabrück e.V.