„Stadtwerke halten an Kohlestrom fest“, Leserbrief NOZ v. 08.12.2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

es hätte so schön werden können: Die Stadtwerke Osnabrück trennen sich wegen Pleiten, Pech und Pannen vom Skandal-Kohlekraftwerk Gekko Hamm, müssen dabei leider empfindliche Verluste hinnehmen, schauen aber nach vorn und denken über neue Investitionen nach. Dabei erinnern sie sich an ihr eigenes feierlich abgegebenes Versprechen: „Wenn Investition in Erzeugungsanlagen, dann nur noch regenerativ“. Sie stocken ihr Portfolio eigener Stromerzeugung aus Sonne und Wind erheblich auf, machen  – in Kooperation mit erfahrenen Projektentwicklern – Gebrauch von den z.Zt. günstigen Bedingungen für Bürger-Energieanlagen in der Stadt, in der Region und anderswo, erhöhen damit kontinuierlich ihren Anteil erneuerbarer Energien und tragen so für die Großstadt Osnabrück signifikant zur Energiewende und zum Klimaschutz bei.

Leider ist es genau anders gekommen. Statt durch Abstoßen der Kohlekraft-Anteile von Hamm ein Signal für den überall geforderten Kohleausstieg zu setzen, kaufen sie sich im gleichen Zug in neue Kohlekraftwerks-Anteile in Lünen ein. Statt Kohleausstieg also eine neue Investition in die Kohle. Damit haben sie – wie von den Grünen richtig bemerkt – jetzt ein verstärktes Interesse am Überleben und Wohlergehen der Kohlekraft in diesem Lande, voraussichtlich für die ganze zukünftige Laufzeit des Kraftwerks Lünen – und das kann bei einem Neubau  lange dauern.  Dazu passt, dass der Vorstand schon mal die Möglichkeit ins Auge fasst, den Anteil am Kohlekraftwerk Lünen weiter von 5,28 auf zukünftig 7 Prozent zu erhöhen.  Kohleausstieg sieht anders aus.

Weggeblasen das Versprechen, nur noch in regenerative Erzeugungsanlagen zu investieren. Kein Wort über Klimaschutz. Eine Ohrfeige für die Stadt, die sich mit ihrem „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ müht, in kleinen Schritten ihren Zielen zur CO2-Reduktion näher zu kommen. Es hätte so schön sein können.

Statt dessen räumt der Stadtwerke-Vorstand Hüls der Kohle „eine wichtige Rolle in der Übergangszeit“ der Energiewende ein, will sie „als Garant der Versorgungssicherheit“ sehen. Studien, die zeigen, wie es auch ohne Kohle in die Zukunft geht, werden ignoriert. Hier geht es ums Geschäft. Energiewende sieht anders aus.

Nach außen halten die Stadtwerke an ihrem Versprechen fest, das sie aber durch diese Investition in die Kohle gebrochen haben. Das Vertrauen der Bürger haben sie damit verspielt, da nützt auch viel PR mit „Klimaschutz“ und Tips und Taps nichts mehr. Und wir sind gespannt auf die Versuche der Stadtwerke, diese Investition in die Zukunft der klimaschädigenden Kohlekraft der Öffentlichkeit als Beitrag zu Energiewende und Klimaschutz zu erklären. Herr Hüls, wir hören.

Klaus Kuhnke
Solarenergieverein  Osnabrück e.V.