048. Newsletter: Kohlekraftwerke erhitzen Gemüter

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Leserbrief zu „Kohlekraftwerke erhitzen Gemüter„, Neue OZ v. 19.12.08

Sehr geehrte Damen und Herren,
es gehört dazu schon richtig Mut, zu behaupten, dass „Kohlekraftwerke … direkt einen wichtigen Beitrag zur verbesserten Nutzung der erneuerbaren Energien“ leisten.
Nimmt sich hier ein alter Herr die Narrenfreiheit, die wir Politikern sonst nicht zugestehen?
Herr Sander sollte sich wirklich besser beraten lassen (Rebecca Harms). Darum ein paar Informationen.

1. Dass Deutschland trotz des schwankenden Angebotes von Sonnen- und Windenergie regenerativ versorgt werden kann, wissen wir aus dem Projekt „Regeneratives Kombikraftwerk“. Mehrere Windparks, Biogasanlagen und ein paar große Solarfelder wurden in einer Leitwarte an der Uni Kassel zu einem regenerativen Kraftwerk zusammengeschaltet. Ein Jahr lang wurde ihre tatsächliche Stromabgabe entsprechend dem augenblicklichen Strombedarf in Deutschland gesteuert. Die Regelenergie zum Ausgleich der Schwankungen übernahmen die Bio-Kraftwerke. Es wurde noch ein kleiner Anteil eines Pumpspeicherkraftwerkes gebraucht, und damit konnte der Stromverbrauch Deutschlands tatsächlich aus Ernenerbaren Energien (EE) nachgefahren werden – mit allen Verbrauchsspitzen und -Schwankungen bei der Fußball-WM und bei „Wetten dass“.

2. Für das fluktuierende Angebot aus Sonne und Wind bieten sich weitere zahlreiche effiziente Speicher an: Millionen Elektrofahrzeuge, die wir bald auf unseren Straßen haben werden, speichern Spitzenstrom und lassen ihn bedarfsgerecht wieder nutzen. Millionen von Kühlschränken, Kühltruhen ud Kühlhäusern sind träge Verbraucher, die je nach Stromangebot ein- und ausgeschaltet werden können, und ein zeitabhängiger Tarif würde Millionen Waschmaschinen und Spülmaschinen (sie alle brauchen Wärme, dh. sehr viel Strom) in die Zeiten hohen Angebotes oder geringer Nachfrage lenken, wo sie dann als ausgleichende Elemente im Netz richtig gern gesehen wären.

3. Neue Kohlekraftwerke binden Investitionen und verdrängen die Erneuerbaren Energien dort vom Markt, wo wir sie heute und in Zukunft brauchen. In der Leitstudie „Ausbaustrategie Erneuerbare Energien“, herausgegeben vom Bundesumweltministerium, heißt es: “Um das EE-Ausbauziel von 30 % bis 2020 nicht zu gefährden, müssten … die jetzigen Planungen zum Bau neuer fossiler Kraftwerke völlig revidiert werden. Auch das KWK-Ausbauziel wäre nicht erreichbar. … [Es] dürften bis 2020 höchstens noch 10 GW an neuen fossilen Kraftwerken errichtet werden. Mit den zwischen 2005 und 2007 errichteten und den im Bau befindlichen Kraftwerken ist dieser Wert bereits überschritten.“ Im Klartext: Schon beim heutigen Stand haben bzw. bekommen wir zu viele Kohlekraftwerke; alle weiteren sind kontraproduktiv.

4. Auch das Umweltbundesamt sagt klar, dass die neu geplanten Kohlekraftwerke für die Stromaversorgung Deutschlands nicht gebraucht werden. Es wird keinen Blackout geben, noch werden die Lichter ausgehen. Warum werden trotzdem so viele neue Kraftwerke geplant und uns gegen alle Vernunft aufgedrückt? Es geht nicht um Versorgungssicherheit, es geht ums Geschäft – interessanterweise genau wie bei der jüngsten Kohle-Investitionsentscheidung der Stadtwerke Osnabrück.

Also: Herr Sander, wir brauchen in der Tat mutige Menschen. Aber etwas Sachkunde wäre für einen Minister ja auch nicht schlecht.

Sonnige Grüße
Klaus Kuhnke
Solarenergieverein, Postfach 1940, 49009 Osnabrück