058. Newsletter: Sonnenkraft statt Kohle-Dino

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Leserbrief zu „Sonnenkraft statt Kohle-Dino“, Neue OZ v. 16.03.09

Heute gewechselt

Seit rund zwei Jahren nun schon erinnern wir die Stadt und die Stadtwerke Osnabrück an ihre eigenen Versprechen, die sie so gern vollmundig an der Öffentlichkeit vortragen:
Das CO2-Reduktionsziel des Klimabündnisses, das Bekenntnis zur nachhaltigen Entwicklung, das Eigenlob der Stadtwerke unter dem Motto Kompetenz – Umwelt – Klima (KUK) – und nichts hat’s bewirkt.

Wir haben gefordert, den Klimaschutz ernst zu nehmen, aus dem Neubau von Kohlekraftwerken auszusteigen und statt dessen mit Kraft-Wärme-Kopplung, Energiedienstleistung und Erneuerbaren Energien Geld zu verdienen – was funktioniert: andere Firmen machen es vor. Statt dessen bekamen wir auf unsere Appelle von Vorstand, Aufsichtsrat und Politik immer unterschiedliche Antworten: „Wir br auchen die neuen Kraftwerke, damit keine Stromlücke entsteht.“ Nein, Umweltbundesamt und die Leitstudie 2008 des Umweltministeriums rechnen das Gegenteil vor. „Die neuen Kohlekraftwerke sind effizienter und emittieren weniger CO2.“ Stimmt nicht; denn es wird so viel mehr Kraftwerkskapazität geplant und gebaut, dass der Mehrausstoß an CO2 die Effizienzsteigerung überkompensiert. „Die Erhaltung der Arbeitsplätze bei uns hat absoluten Vorrang.“ Richtig: Erneuerbare Energien schaffen wesentlich mehr Arbeitsplätze bei uns als ein Großkraftwerk mit 60 Hanseln, das die Kohle global importiert. „Wir nutzen ja auch die Abwärme der Kraftwerke.“ Höchstens teil-richtig: Bei zweien der drei geplanten Großkraftwerke (Hamm und Lünen) gibt es für die Abwärme schlicht keine Verwendung, sie geht in die Luft. Beim dritten (Uerdingen) wird nach Stadtwerkeangaben nur etwa ein Vier tel der Abwärme genutzt, der Rest geht in den Rhein.  „Wir müssen ja Osnabrück und unsere Großkunden auch günstig mit Strom versorgen.“ Zweifelhaft, weil andernorts (Herne, Gütersloh) aus preislichen und wirtschaftlichen Gründen die Planung großer Kohlekaftwerke bereits eingestellt wurde. Und falsch, weil laut eigener Aussage der Stadtwerke ein Teil des zukünftigen Kohlestroms nicht selbst verwendet, sondern an andere Energieversorger verkauft werden soll. Mann tritt also den Klimaschutz bewusst mit Füßen, nur um „Kohle“ zu machen. Und das schönste: „Wenn wir es nicht tun, machen es andere,“ ein Argument, das sonst auch gern für den Waffenexport in alle Welt benutzt wírd.

Fazit: Wenn sogar die Stadtwerke, die so entscheidend den Umgang mit Energie in unserer Stadt bestimmen, mit (zweifelhaften) wirtschaftlichen Argumenten den Klimaschutz beiseite fegen, kann es mi t der Glaubwürdigkeit nicht mehr weit her sein.

Ich habe heute für unsere Mieter und uns den Stromanbieter gewechselt – hin zu einem der vier Lieferanten, die nachweislich keine geschäftlichen und finanziellen Verflechtungen mit der Atom- und Kohlewirtschaft haben. Ich hab’s getan.

Klaus Kuhnke
Elsa-Brandström-Str. 3
49076 Osnabrück.