097. Newsletter: Die Technik ist schon da

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Leserbrief zu:

Mehr Geld für Energieforschung„, Neue OZ v. 26.01.2010
und
Weniger Subventionen für Solarstrom„, Neue OZ v. 21.1.2010

Die Technik ist schon da.

Sehr geehrte Damen und Herren,
dass die Bundesforschungsministerin ein Wissenschaftsjahr „Die Zukunft der Energie“ ausruft, kann nur begrüßt werden. Wir alle hängen an der Energie wie der Junkie an der Nadel, und schon heute ist abzusehen, dass die Energie wahrscheinlich unser Problemfeld Nr. 1 wird: Wir müssen dem Klimawandel gegensteuern, die billigen Ölressourcen gehen zur Neige, schon heute wird Krieg geführt um Energie, und wenn eines Tages die Wirtschaftskrise zu Ende sein sollte, dürfte der Ölverbrauch wieder steigen und mit ihm der Ölpreis in immer neue Höhen. Da ist es gut, sich heute um Innovati onen auf diesem Gebiet zu kümmern und der Energieforschung einen Schub zu geben.

Dabei sollte allerdings nicht der Eindruck entstehen, wir bräuchten erstmal noch viel weitere Forschung, bevor wir in die Energiewende einsteigen könnten. Das Gegenteil ist richtig: Die Technologien sind schon da. Wir haben hochwertige Solarkollektoren, die nicht nur das Wasser, sondern heute bereits ganze Häuser warm machen, wir haben Windkraftanlagen, an Land und auf dem Wasser, mit denen wir weltweit Spitze sind, vielfältige Biomasse-Technologien, mit denen wir unsere Ressourcen nutzen können, und wir haben Solarmodule, mit denen wir unseren Strom selbst erzeugen können. Zehn Quadratmeter reichen für eine Person. Die Technik ist da, wir müssen nur noch machen, und das tun war ja an vielen Stellen auch schon.

Und zu hoffen bleibt auch, dass die Bundesregierung mit der geplanten Absenkung der Einspeisevergütung für Solarst rom nicht mit einem Mal alles wieder kaputt macht, was in den vergangenen Jahren mit Initiative und beispielloser Dynamik aufgebaut wurde: Eine funktionierende Solarindustrie, die ebenfalls weltweit eine technische Führungsposition hat, und viele große und kleine Solarbetriebe, die rund 100 000 Menschen Lohn und Brot gibt. Spanien ist ein warnendes Beispiel: Dort hat die Regierung eine sehr hohe Einspeisevergütung mit einem Ruck auf fast Null gesetzt, Fotovoltaik war nicht mehr wirtschaftlich, ein blühender Industriezweig und Tausende Handwerksbetriebe standen vor dem Aus. Das darf uns in Deutschland auf keinen Fall passieren.

Denn wozu betreiben wir Forschung? Damit unsere Industrie gute Produkte macht und unsere Wirtschaft läuft. Energieforschung hat nur dann einen Sinn, wenn der dazugehörige Wirtschaftszweig nicht gleichzeitig kaputtgemacht wird. Darauf kommt es jetzt an.

Klaus Kuhnke
Solarenergieverein Osnabrüc k e.V.
Postfach 1940, 49009 Osnabrück

P.S. für alle Solarinteressierten und solche, die es werden wollen:
Die Eckpunkte der künftigen Fotovoltaikvergütung im EEG, die teilweise zum 1.4. in Kraft treten soll, sind bereits nachzulesen auf der Internetseite des BMU unter:
http://www.bmu.de/erneuerbare/energien/doc/45543.php (leider nicht mehr verfügbar)