107. Newletter: Stromkunden entlasten

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Leserbrief zu „Stromkunden entlasten„, Neue OZ v. 5.6.2010

Einspeisevergütung ist keine Subvention – Solarmodule nicht mit dem Wechselrichter zerschmeißen

Da hat sich der Kommentator aber richtig vertan: Die Einspeisevergütung ist keine Subvention, und horrende ist sie auch nicht.

1. Der Preis, den die Energieversorger für ins Netz eingespeisten Solarstrom zahlen, ist keine Subvention und belastet auch keinen öffentlichen Haushalt. Er kommt zu Stande durch eine Umlage – nicht beim Steuerzahler, sondern bei den Stromverbrauchern. Ich finde das gar nicht schlecht. Wer mehr Strom verbraucht, steuert durch diese Umlage auch mehr zur Entwicklung der Erneuerbaren Energien bei; wer weniger verbraucht, muss weniger beitragen.  Wer Energie verschwendet, wird mehr zur Kasse gebeten; wer Energie spart, wird zusätzlich belohnt.

2. Diese Umlage ist auch nicht horrende, sondern im Gegenteil moderat, angemessen, von befristeter Dauer und vor allem: Hocheffizient. Zur Zeit bewirkt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (das EEG, das die Einspeisepreise und die Umlage regelt) einen Mehrpreis von ca. 2 Cent pro Kilowattstunde (kWh) für Endverbraucher, also etwa knappe zehn Prozent. Wer dies nicht mag, der oder die kann ja Energie einsparen, z. B. mit einer einfachen schaltbaren Steckerleiste für Fernseher, Computer und alle anderen Medien. Abends abschalten. Sehr effizient und empfohlen.

3. Schon jetzt sinken ja entsprechend dem EEG die Einspeisepreise für neue Solaranlagen jedes Jahr. Das hat dazu geführt, dass Solar- und Windstrom immer billiger wurden, während konventioneller Strom immer teurer wurde (zeitweise um 8 % pro Jahr – wer hat diese „Subventionierung“ eigentlich eingestrichen?). Jetzt rechnen wir damit, dass schon 2013/2014 Windstrom so billig werden wird wie konventioneller Kraftwerksstrom und Solarstrom so billig wie der normale Haushaltsstrom aus der Steckdose. Dann werden wir auf diesen beiden Gebieten das EEG schon nicht mehr brauchen.

4. Und zum Schluss: Es ist richtig, dass mit Solarenergie teilweise kräftig Geld verdient wurde und wird. Aber so geht unsere Wirtschaft: Nur wo vernünftige Renditen winken, nehmen finanzstarke Akteure auch die Millionen in die Hand, bauen Fabriken, forschen und entwickeln immer neue Solarmodule und immer größere Windkraftanlagen. Nur dadurch sind wir Weltmeister in Erneuerbaren Energien geworden und haben eine Drittel-Million Arbeitsplätze in Deutschland auf diesem Gebiet geschaffen. Und weil der Fortschritt schneller ging und die Module billiger wurden, als es das Gesetz vorsah, soll jetzt die Einspeisevergütung schneller sinken als bisher geplant: Minus zusätzliche zehn Prozent in diesem Jahr, wie die Länderregierungen es fordern, einverstanden, aber nicht 16 Prozent. „Man sollte der Erfolgsgeschichte nicht ihr Happy End nehmen“ (D. Hexel). Man muss ja das Kind nicht gleich  mit dem Bade ausschütten – oder solar gesprochen: Man muss ja die Solarmodule nicht gleich mit dem Wechselrichter zerschmeißen. Schönen Gruß an die Bundesregierung.

Klaus Kuhnke
Solarenergievereihn Osnabrück e.V.
Postfach 1940, 49009 Osnabrück