121. Newsletter: Gnadenlos abgeschnitten

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„Schnapp!“ denkt man als Leser unwillkürlich, wenn man das Foto sieht: Mit einer langen, scharfen Schere wird ein unschuldiger grüner Stecker von seinem grünen Stromkabel abgetrennt. Gnadenlos, mit einem Schnitt.

Die Symbolik des Fotos ist klar: Die grüne Stromquelle, „unsere Stadtwerke“, werden – schnapp – vom Netz genommen und können nun keinen Strom mehr liefern. Richtig ist an diesem Bild, dass durch die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke die Erneuerbaren Energien zurückgeworfen werden; der Weg in die Energiewende, der uns schneller als geplant aus Versorgungsengpässen und Klimanot herausführen sollte, könnte so sehr bald in einer Sackgasse enden.

Aber hier geht es nicht um Erneuerbare Energien, hier geht es um die Stadtwerke, die sich in ihrem zukünftigen Hauptgeschäft bedroht sehen: Strom aus Kohle zu verkaufen. Der Stecker auf dem Foto, der hier abgeschnitten wird, und das Kabel sollten daher eher schwarz sein, das träfe die Sache besser.

Und da können uns in der Tat fast die Tränen kommen: Die Investition in die Kohlekraftwerke Hamm und Lünen könnte sich eventuell wirtschaftlich nicht mehr lohnen für die Stadtwerke Osnabrück. Der weitere Betrieb der Atomkraftwerke aus der Zeit unserer Väter macht neue Kohlekraftwerke überflüssig. Ein weiterer Blick auf die Wirtschaftlichkeit zeigt zudem, dass die Kraftwerkskohle, die in Zukunft importiert werden sollte, auf dem Weltmarkt kontinuierlich teurer geworden ist, je nach Typ auf das Doppelte in 2 Jahren, die Preisspitze 2008 dabei schon herausgerechnet. Und klar ist, dass „es eine starke Korrelation gibt zwischen dem Preis eines Fasses Öl und dem einer Tonne Kohle,“ wie der Energy and Mining Newletter schreibt. Man braucht keine prophetische Gabe um zu wissen: Wenn nach der Krise die Wirtschaft weltweit wieder Fahrt aufnimmt, wird der Ölpreis wieder in die Höhe schnellen und mit ihm der für die Kohle.

Wir haben die Kohlekraft immer abgelehnt aus Umweltgründen, weil sie eine Ohrfeige für den Klimaschutz ist. Aber wenn sie sich nun ganz offensichtlich nicht einmal wirtschaftlich mehr lohnt; wohlan denn, Stadtwerke Osnabrück, jetzt aber schnell: Nichts wie raus aus der Kohle!

Klaus Kuhnke
Solarenergieverein Osnabrück e.V.