123. Newsletter: Kein Ehrgeiz im Energiekonzept

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Leserbrief zu „Ehrgeizige Ziele für mehr Energieeffizienz“ und

„Atomstreit strahlt bis ins Rathaus“, Neue OZ 29.09.2010

Kein Ehrgeiz im Energiekonzept.

Für alle, die für mehr Klimaschutz, Arbeitsplätze und Frieden auf eine Energiewende gehofft hatten – hin zu immer mehr Erneuerbaren Energien – kommt das neue Energiekonzept der Bundesregierung wie ein Schock, wenn auch nicht ganz unerwartet. Die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke aus der Zeit des guten, alten C 64 ist schlimm genug: Die Entsorgung ist ungeklärt, das Risiko unkalkulierbar und unversicherbar, die Proliferation von spaltbarem Material in falsche Hände nicht kontrollierbar (was wären da eigentlich die „richtigen“ Hände?), der Effekt für unsere Arbeitsplätze negativ und von den Gewinnen profitieren nur Aktionäre, also Menschen, die ohnehin schon viel Geld haben.

Gleichzeitig schmückt sich die Regierung  in ihrem Konzept aber auch mit Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien (EE), doch die Ziele sind alles andere als ehrgeizig: Bis 2020 sollen mal gerade 35 Prozent vom Strom aus erneuerbaren Quellen kommen, bis 2050 sollen es 80 Prozent sein. Der Bundesverband Erneuerbare Energien hält dagegen, dass bis 2020 fast die Hälfte des Stroms erneuerbar sein kann, und das für die Regierung erstellte „Energiekonzept 2050“ von sieben deutschen Forschungsinstituten sagt, dass wir bis 2050 nicht nur unseren Strom, sondern unseren gesamten Energieverbrauch zu 100 Prozent aus EE decken können. Dabei „fallen in den kommenden zwei Dekaden zunächst erhöhte Investitions- und Entwicklungskosten an, die jedoch danach vor allem durch eingesparte Kosten bei Energieträgern deutlich überkompensiert werden.“ Im Klartext heißt das: Di e Energiewende kommt uns billiger zu stehen als das Weitermachen wie bisher. Weiter heißt es in der Studie: „Die heutigen Großkraftwerke sind ungeeignet, fluktuierende Ströme aus Erneuerbaren Energien auszugleichen,“ da sie nicht schnell genug rauf- und runtergeregelt werden können. Es passt also nicht zusammen: Wer weiter stark auf Atom- und Kohlekraft setzt, behindert damit die EE.

Demnach ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Regierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das uns in diesen Technologien zum Weltmeister gemacht hat, noch so weit zusammenstutzen wird, dass der Ausbau der EE fast oder ganz zum Stillstand kommen wird. Auszuschließen ist das nicht; in Spanien hat die Regierung die Fotovoltaikbranche schon fast zum Erliegen gebracht. Was heißt das für uns? Jetzt in EE-Anlagen investieren, bevor die Einspeisevergütung weiter sinkt, und: Atomausstieg selber machen durch Wechsel zu einem echten Ökostrom-Anbieter. Denn das haben wir glücklicherweise immer noch selbst in der Hand.

Klaus Kuhnke
Solarenergieverein Osnabrück e.V.

k.kuhnke@hs-osnabrueck.de