147. Newletter: Atomausstieg selber machen

sev-logo-newsletter

Leserbrief zu „Kraftwerkschef: Lingen läuft noch lange“ und zum Interview mit CDU-Generalsekretär Gröhe.

Sehr geehrte Damen und Herren,
wer es wie ernst meint mit der Absicht eines schnellen Atomausstieges, lässt sich heute schon leicht an den Äußerungen der verschiedenen PolitikerInnen ablesen: Das Moratorium war ein notwendiger Schnellschuss und nur als Denkpause konzipiert, ausdrücklich „ergebnisoffen“.

Brüderle hält es für ein „irrationales“ Wahlkampfmanöver, Lindner dagegen kann es nicht schnell genug gehen. CDU-Generalsekretär Gröhe sagt , „dass wir es ernst meinen“ – was soll er auch sonst sagen nach der Brüderle-Panne?  Röttgen drängt und drückt beim Ausstieg aufs Tempo. Das ist sicher glaubwürdig; nicht umsonst wurde er bei der Nacht- und Nebel-Aktion ausgeschlossen, als die Laufzeitverlängerung ausgehandelt und beschlossen wurde. Und die Kanzlerin? Möchte schneller in die Erneuerbaren Energien einsteigen, aber das hat sie bei der Laufzeitverlängerung auch schon gesagt – und dabei den Zubau an Erneuerbaren Energien kräftig gestutzt. Schließlich die großen Energiekonzerne: Kündigen jetzt schon, bevor die ergebnisoffene Überprüfung überhaupt angefangen hat, der Regierung die Zusammenarbeit auf und zeigen damit ihr wahres Gesicht. Nicht auszuschließen, dass morgen oder übermorgen bei allen vier Konzernen der Strompreis steigt – ganz ohne Preisabsprache natürlich.

Was heißt das für uns? Den Atomausstieg haben wir erst, wenn er tatsächlich vollzogen ist, Meiler für Meiler stillgelegt. Dass dabei noch einiges dazwischenkommen kann, haben wir ja vor einem halben Jahr erlebt bei der Laufzeitverlängerung. Wir haben aber selbst ein wirksames Mittel  in der Hand: Unseren Atomausstieg selber zu machen, indem wir wechseln zu einem Stromlieferanten, der nachweislich keine Energie von den Atom- und Kohlekonzernen bezieht. Dieses Kriterium erfüllen in Deutschland nur vier Ökostrom-Anbieter (Naturstrom, Lichtblick, Greenpeace und EWS); der Ökostrom der Stadtwerke Osnabrück zählt leider nicht dazu, denn die Stadtwerke beziehen nicht nur einen Großteil ihres Stromes von RWE, sondern beteiligen sich auch noch selbst am Neubau von Kohlekraftwerken. Der Stromwechsel-Vorgang selbst ist kinderleicht: Anruf oder Postkarte an den neuen Lieferanten, Antrag ausfüllen, letzte Stromrechnung beilegen, abschicken, fertig. Der Wechsel vollzieht sich unmerklich und problemlos. Der Kühlschrank bleibt kalt und die Hütte hell und warm. Der Strom ist derselbe, nur kommt er jetzt aus einem Wasserkraftwerk. Und unser Geld bekommt nun eine Firma, die nicht mit der Atom- und Kohle-Lobby paktiert, sondern immer weitere Erneuerbare-Energien-Anlagen baut. – Wir brauchen also nicht mehr auf unsere ergebnisoffene Kanzlerin zu warten, sondern können schon mal selbst aussteigen.

Klaus Kuhnke,
Osnabrücker Klimaallianz und
Solarenergieverein Osnabrück e.V.