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Energiewende immer wieder korrigierenLeserbrief zu „Korrekturen bei Energiewende gefordert“, NOZ 12.1.2012

„Korrekturen bei der Energiewende“ zu fordern, sollte fast selbstverständlich sein. Denn die Energiewende ist kein einmaliger Richtungswechsel, auf Kommando gewissermaßen, sondern ein Prozess, der Jahre und in der eigentlichen Umsetzung Jahrzehnte dauert.

Und der erstens immer anders läuft, als man zweitens meistens denkt. So hatten und haben wir bei den Erneuerbaren Energien zeitweise Zuwächse, die jede Planung in den Schatten stellen. Darum hat das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen Mechanismus, der die Einspeisevergütung besonders für Solarstrom immer dann senkt (die „Degression“), wenn die Technik billiger wird. Und alle paar Jahre wird das Gesetz geändert und der neuen Marktentwicklung angepasst, zuletzt vor 14 Tagen am 1. Januar 2012. Nach Ihrem Artikel hat man allerdings den Eindruck, dass die Herren bei der Industrie- und Handelskammer das neue Gesetz noch gar nicht kennen, aber schon mal drüber reden.

Das EEG wird vom IHK-Referenten Haukap scharf kritisiert. Tatsächlich ist es aber eine einzige Erfolgsstory. Es hat uns auf den Gebieten der Sonnen-, Wind- und Bioenergie zum Weltmeister gemacht und wurde in bisher rund 60 Ländern kopiert oder dem Sinn nach übernommen, inklusive China, weil es eben einem Wettbewerbs-Modell nach englischen Vorbild, wie es jetzt die IHK wieder fordert, haushoch überlegen ist. Und es hat mehr als 300 000 Arbeitsplätze geschaffen: Von den rund 3 Millionen Arbeitslosen in unserem Land ist uns also schon mal ein Zehntel erspart geblieben nur durch das EEG. Entsprechend haben auch die Steuereinnahmen durch die Erneuerbaren Energien den Mehrpreis beim Strom durch die Einspeisevergütung weit übertroffen. Immer wenn der Wind weht, sinkt an der Leipziger Strombörse der Einkaufspreis – manchmal bis auf Null und ins Negative; die Stromkonzerne haben allerdings „vergessen“, diesen Minderpreis an uns weiterzugeben. Statt dessen ist der Strompreis für die Endverbraucher in den vergangenen Jahren um rund 7 Prozent pro Jahr gestiegen. Die EEG-Umlage war davon nur der kleinere Teil.

Dieser Preisanstieg und die rasante Verbilligung durch das EEG hat dazu geführt, dass wir in diesem Jahr die „Grid Parity“ feiern können: Die Preisgleichheit von Solar- und Steckdosenstrom: Für uns Verbraucherinnen und -Verbraucher ist der Solarstrom vom eigenen Dach in diesem Jahr zum ersten Mal genau so teuer oder billig wie der Normalstrom aus der Steckdose, nämlich 24,43 ct pro Kilowattstunde. Das zahlen wir – je nach Stromlieferant – als Verbraucher auch, wenn wir ganz normal mit Strom Kaffee kochen oder fernsehen.

Mehr Wettbewerb fordert die IHK. Noch nicht ganz richtig, denn dies würde den weiteren Ausbau der elektrischen Solarenergie abwürgen. Die werden wir aber für die Energiewende unverzichtbar im großen Maßstab brauchen. Dazu haben wir vor 12 Jahren mit ihrem Ausbau begonnen, setzen ihn heute massiv fort und bewirken so den Preisverfall, den wir heute
haben und weiterhin brauchen, damit auch der Solarstrom in Zukunft wettbewerbsfähig wird, siehe oben.
Und neue Hochspannungsleitungen brauchen wir auch. Allerdings nicht so viele, wie die IHK fordert. Denn je mehr Strom aus Sonne und Wind in Zukunft an allen Orten in unserem Land dezentral erzeugt wird (und nicht nur auf See), umso weniger muss dann in Hoch- und Höchstspannungsleitungen geballt durchs Land geschickt werden.

Wir sind also auf dem richtigen Wege und müssen auch in Zukunft – genau wie die IHK fordert und doch anders – den Prozess der Energiewende immer wieder korrigieren.

Klaus Kuhnke
Solarenergieverein Osnabrück e.V.