208. Newsletter: Es gibt nichts Gutes, außer …

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Liebe Solarfreunde,
nach dem Sommerloch krabbeln sie alle wieder aus ihren Löchern, die in der Energiewende mitmischen wollen: Der Energiewendeminister, die Kraftwerkskonzerne, die Netzbetreiber, die Wirtschaftsverbände und neuerdings sogar die Textilindustrie, die nun gern das Verfassungsgericht bemühen möchte.
Lesen Sie dazu vorab schon mal den Leserbrief, den die NOZ hoffentlich bald auch druckt.

Einen weiterhin sonnigen Sommer wünscht Ihnen
Klaus Kuhnke

EEG-Umlage nach dem Verursacher-Prinzip

Sehr geehrte Damen und Herren,
allüberall und fast jeden Tag neu werden die Strompreiserhöhungen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) heraufbeschworen, also die Angst,  dass der Strompreis über die Maßen steigt, weil die Umlage für Strom aus Sonne, Wind, Biomasse usw. ihn zusätzlich verteuere. Der Strompreis steigt tatsächlich. Von 2001 bis 2012 ist der Verbraucher-Strompreis im Bundesdurchschnitt um reichlich 5 Prozent pro Jahr angestiegen, weit stärker als die Inflation. Dies ist aber keineswegs allein auf die EEG-Umlage und die anderen Abgaben auf den Strompreis zurückzuführen, sondern auch der Preis für Erzeugung, Transport und Vertrieb, also was die Kraftwerks- und Netzunternehmen bekommen, ist in derselben Zeit um etwa 5 Prozent  jährlich gestiegen. Fazit: Wer selbst im gleichen Maße die Preise erhöht, wie die Abgaben steigen, soll nicht die Abgaben für den Preisanstieg verantwortlich machen, sondern sich an die eigene Nase fassen.

Und ist es gerecht, wenn wir alle die Energiewende wollen, dafür aber nur die StromverbraucherInnen die EEG-Umlage zahlen lassen? Ich meine ja, denn hier gilt das Verursacher-Prinzip, das auch vielen anderen Gesetzen zu Grunde liegt: Wer viel Strom verbraucht, soll auch mehr für die Energiewende zahlen als andere, und wer wenig Strom bezieht, braucht auch weniger zum EEG beizutragen. Überdies ein vortrefflicher Anreiz, Energie einzusparen.

Die Förderung der Erneuerbaren käme uns übrigens einen Cent (ein knappes Drittel) billiger, wenn nicht ständig gerade bei großen Stromverbrauchern Ausnahmen gemacht würden. Immer mehr Firmen lassen sich von der EEG-Umlage befreien, auch viele, die hier gar keinen Wettbewerbs-Nachteil erleiden, die energieschluckende ementindustrie zum Beispiel. So müssen der Mittelstand und die Endverbraucher die EEG-Umlage praktisch allein schultern, weil die Großen reihum sich schon wieder die Vorteile gesichert haben und nach wie vor den billigen Strom zum vorzugspreis konsumieren.

Als Energiewende-Minister ist Altmaier angetreten, als Energiespar-Minister will er sich jetzt profilieren. Auch richtig. Jede Kilowattstunde, die wir nicht verbrauchen, müssen wir nicht erzeugen, weder aus Sonne, noch aus Wind oder Biomasse, erst recht nicht aus Gas und Kohle. Erfreulich, dass die Atomenergie kaum noch jemand in Betracht zieht. Trotzdem brauchen wir Energie und müssen daher weiter selbst an der Umstellung auf die Erneuerbaren arbeiten, und zwar wir selbst, denn auf Altmaier und die Regierung ist da nach wie vor kein Verlass. Und es gibt Möglichkeiten:

Sonnenwärme wird immer günstiger, je weiter der Gaspreis steigt, Sonnenstrom selbst zu verbrauchen ist für Privatleute heute schon wirtschaftlich, auch ohne EEG; Stromspeicher für den eigenen Haushalt kann man mittlerweile kaufen, und die ersten Pioniere wagen sich da heran; Energiegenossenschaften und Solar- und Windenergie-Betreibergemeinschaften werden mehr und suchen immer neue Mitglieder, und schon lange kann man den eigenen Strom von einem der vier echten Ökostrom-Anbieter beziehen, das Umsteigen ist kinderleicht. Jeder und jede kann mitmachen, und für uns alle gilt genau wie für den Minister Altmaier:
Es gibt nicht Gutes, außer man tut es (Erich Kästner).

Klaus Kuhnke
Solarenergieverein Osnabrück e.V.