Birkner für Neustart bei Ökostrom

Hier der Wortlaut des Leserbriefes zu Umweltminister Birkner, der am liebsten das EEG abschaffen will.
Diesen Leserbrief hat die NOZ ja gekürzt; die von mir etwas deutlch formuliert finale Einschätzung hat sie nicht mit abgedruckt.

Sonnige Grüße
Klaus Kuhnke

Leserbrief zu: „Birkner für Neustart bei Ökostrom“, NOZ vom 05.06.2012

Eines vorab: Der rasante Erfolg von Solar- und Bioenergie auf Grund des EEG erfordert ständige Anpassungen und Korrekturen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), da sind wir uns alle einig.
Jetzt sagt der Umweltminister Birkner (FDP): „Das bisher angewandte EEG hat keine Zukunft“, und die Fotovoltaik sei überfördert, die Offshore-Technologie will er dagegen weiter fördern. An Stelle des EEG möchte er am liebsten ein „Quotenmodell für Energieversorger“.
Da hat der Herr Birkner wohl aus Versehen sein wahres Gesicht gezeigt: Nicht der Staat, sondern der Markt soll die Energiewende richten, und die Erneuerbaren gehören nicht in unser aller Hände, sondern in die der vier großen Energiekonzerne.
Da hat jemand etwas falsch verstanden. Energiewende heißt ja nicht nur hin zu mehr Erneuerbaren und weg von Kohle und Kernenergie, sondern auch: Dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand, weg von der Monopolwirtschaft in der Stromerzeugung, die uns bei der Energiewende bisher ja nicht unterstützt, sondern immer wieder ein Zurück zum alten System gefordert hat. Also: „Weiter so wie früher“ statt „Auf zu neuen Ufern“. Meinten Sie das, Herr Birkner?

Wenn Birkner für „die effizienteste Technologie“ bei den Erneuerbaren wirbt, die Fotovoltaik kritisiert, aber die Offshore-Windkraft fördern möchte, dann vergisst er, dass nach dem heutigen Regierungsentwurf fürs EEG der Solarstrom aus großen Anlagen (13,5 Cent pro Kilowattstunde) bereits billiger ist als Offshore-Windenergie (15 ct/kWh) – und keine neuen Stromautobahnen braucht – die sind ja im Preis noch nicht mit drin. Lesen Sie doch mal das neue EEG, Herr Birkner.

Das Quotenmodell, das der Minister wieder vorschlägt, ist ein uralter Hut: Man fordert von den Energieversorgern, einen bestimmten Prozentsatz Erneuerbare Energien zu erbringen, und überlässt es ihnen, wie: Mit Sonne, Wind-, Wasser- oder Bioenergie. Dieses Quotenmodell ist schon zu Beginn der neunziger Jahre in anderen Ländern grandios gescheitert, als das EEG bei uns schon von Beginn an Wirkung zeigte. Wir wissen auch, warum: Da wurde die Verantwortung für die Energiewende in die falschen Hände gelegt.

Geleitet vermutlich von seinem schlechten Gewissen, entschuldigt sich Birkner vorab, er möchte nicht „sogleich als Büttel der vier großen Energieversorger diffamiert werden“. Aber wer sich über den dezentralen Charakter der Erneuerbaren hinwegsetzt und nur Großtechniken wie Offshore-Wind befürwortet, obwohl das noch nicht mal mehr billiger ist als Solarstrom, nur viel schwerer zu realisieren – der ist eben genau das: Ein Büttel der vier großen Energiekonzerne. Und wenn er das ganz ehrlich noch nicht einmal gemerkt haben sollte, dann wäre er für die vier Großen nicht nur der Büttel, sondern obendrein noch ein nützlicher Idiot. Wir gratulieren.

Klaus Kuhnke
Solarenergieverein Osnabrück e.V.