Leserbrief zu „Stadtwerke haben ein Kohle-Problem“, NOZ v. 25.04.15

Sehr geehrte Damen und Herren,
der Umwelt-Aspekt blieb fast ganz außen vor in Ihrem Artikel. Schön, dass wenigstens Rainer Lahmann-Lammert ihn in seinem Kommentar zum Thema gemacht hat. Denn darum ging es uns damals, als wir wegen des Kohlekraftwerks-Engagements der Stadtwerke auf die Straße gegangen sind: Steinkohle ist nicht nur schwarz und dreckig (damit könnten wir ja leben), sondern ist die fast klimaschädlichste Quelle der Stromerzeugung. Nur Braunkohle ist schlimmer. Und es ist ein Treppenwitz der Energiegeschichte, dass ausgerechnet die vermeintlich billigere Braunkohle jetzt die Steinkohle-Verstromung unwirtschaftlich macht. Beide sind keine Lösung, wie der Kommentator richtig schreibt. Wir müssen nicht nur raus aus der Atomenergie, wir müssen auch raus aus der Kohle.
Auf Schadenfreude („Ham wa ja immer schon gesagt“) sollten wir hier verzichten. Es geht darum, die Energiewende voran zu bringen.

Die Windenergie an Land zu fördern (Windkraft im Binnenland braucht keine Stromautobahnen), die Offshore-Windnutzung auszubauen (da ist viel Platz, und der Wind weht gleichmäßiger) und überall die Photovoltaik zu fördern. Die ist ja von der Bundesregierung arg ausgebremst worden, und die ersten Pläne nach dem neuen Ausschreibungsmodell verheißen auch nichts Gutes. Die Bioenergie brauchen wir zur Vergleichmäßigung des Stromangebotes (Biomasse zu speichern kostet fast nichts). Und wir sollten nicht vergessen: Wer Strom spart, braucht weniger Energie, auch erneuerbare. Sonne und Wind, Speichern und Sparen sind also die Stichworte für eine zukunftsfähige Energiewende.
Da trifft es sich gut, dass die Stadtwerke beschlossen haben: Neue Erzeugungsanlagen nur noch erneuerbar. Starke Stadtwerke im Besitz der Stadt sind in unserem Interesse, denn sie machen Osnabrück tendenziell unabhängiger. Es kann nämlich nicht sein, dass eine so wichtige Frage wie unsere Energieversorgung den Partikularinteressen einzelner Großkonzerne zu gehorchen hat – wie es bisher der Fall war. Energie in Bürgerhand sieht anders aus. Und dann hofft man, dass die Stadtwerke in Zukunft wirtschaftlich arbeiten werden. Raus aus der Kohle ist hier immer noch unser Tipp – besser als kontinuierliche Verluste ist das allemal. Weg mit Schaden.
Nur das Gaskraftwerk, das den Stadtwerken mitgehört, das brauchen wir noch: Die Nutzung schnell reagierender und relativ umweltfreundlicher Gaskraftwerke gehört zum Übergangskonzept der Energiewende. Sie wieder wirtschaftlich zu machen, ist Aufgabe der Rahmensetzung der Bundesregierung. „Die notwendigen Reformen“ nennt dies der Stadtwerke-Sprecher. Da hören wir schon – unausgesprochen – wieder den Ruf nach einem Kapazitätsmarkt. Etwa so: „Der Staat soll uns bezahlen dafür, dass wir das Gaskraftwerk vorhalten“. Oder eben die Verbraucher. Wo gibt es denn sowas? Auf dem richtigen Markt werden die Bauern auch nur für die Kartoffeln bezahlt, die sie verkaufen – und nicht dafür, dass sie welche mitgebracht haben.

Hoffen wir also, dass uns die Stadtwerke erhalten bleiben – und dass sie in Zukunft mehr als bisher die Energiewende voran treiben. Es würde uns allen nützen.

Klaus Kuhnke
Solarenergieverein Osnabrück e.V.